Wehrwölfe
in Småland

Wer
glaubt, Bauernkriege und Aufstände
hat es nur in Deutschland gegeben, der
irrt. Auch in Schweden haben die Bauern
ihren Oberen ordentlich ihre Meinung gesagt.
Gerade hier in Småland hat einer
der berühmtesten Freiheitskämpfer,
Nils Dacke, der Andreas Hofer Schwedens,
sein Leben gelassen. Nicht ohne vorher
noch das eben erst geeinte Schweden in
Angst und Schrecken zu versetzen.
Von
Eduard Nöstl
Die
Dackefehde von 1542 - 43 richtete sich
gegen die zentralistische Politik von
Gustav Vasa, gegen das Verbot mit den
Dänen Handel zu treiben, gegen die
harte Steuerbelastung und gegen die Enteignung
der katholischen Kirche.
Besagter
Nils Dacke, nach dem die Bauernkriege
benannt wurde, hat heute nach vielen wenn
und aber den Status eines Volkshelden
erreicht.
In
jenen Tagen bildete die Grenze Smålands
nach Schonen hin die Südgrenze des
schwedischen Reichs. Schwedenkönig
Gustav Vasa war es gerade erst gelungen,
die Dänen abzuschütteln und
er wollte sich jetzt seines Reiches erfreuen.
Nicht so die Bauern in Småland,
die schon damals ihr kärgliches Dasein
durch gute Geschäfte mit den Dänen
in Schonen und Blekinge aufzubessern wussten.
Als
diese Geschäfte auf allerhöchsten
Befehl unterbunden wurden, schwoll den
streitbaren Bauern der Kamm. Unter der
Führung des Nils Dacke aus Södra
Möre, einer der kargsten Gegenden
Smålands, ergriffen sie Armbrust
und Streitaxt, um den verhassten Statthaltern
des Königs ordentlich ihre Meinung
zu sagen.
Wie
immer in schwierigen Zeiten war es nicht
schwer für einen beredten Führer,
Leute um sich zu scharen, denn bei Hunger
ist Aktivität noch immer besser als
faul herumzusitzen und sich das Jammern
von Frau und Kindern anzuhören.
Eine
stattliche Schar wütender Bauern
liess ihre erste Wut an den Vogten der
Umgebung aus. Diese ersten Erfolge liess
sie an einen leichten Sieg über die
Obrigkeit glauben. 1542 wurde das Schloss
Bergkvara überfallen, erobert und
der rote Hahn aufs Dach gesetzt.
Die
Taktik Nils Dackes mit schnellen Überfällen
um sich danach sofort wieder in unwegsames
Gelände zurückzuziehen, schien
aufzugehen. Nach Småland wurde auch
Östergötland "befreit".
In Linköping unterzeichneten Nils
Dacke und Gustav Vasa ein Waffenstillstandsabkommen.
Damals stand Nils Dacke am Höhepunkt
seiner Macht.
Der
Guerillakämpfer und Bauernführer
Nils Dacke hatte sein Ziel erreicht: Småland
war frei. Leider verfiel er in den gleichen
Fehler wie viele Stammesfürsten vor
und nach ihm. Er übernahm die Sitten
derer, die er gerade noch bekämpft
hatte, trank seinen Weihnachtspunsch im
Schloss Kronoberg und empfing, sehr zum
Leidwesen des schwedischen Königs,
Abgesandte ausländischer Würdenträger.
Nils
Dacke regierte mit eiserner Faust, wer
nicht für ihn war, war gegen ihn
und bald schon einen Kopf kürzer.
Doch öffnete er den Grenzhandel ins
dänische Blekinge, eroberte Öland
und belagerte Kalmar, die letzte Festung
Gustav Vasas in Småland.
Das
war denn doch zuviel des Guten. Wollte
Gustav Vasa sein Gesicht wahren, musste
er alle verfügbaren Truppen einsetzen
um Kalmar zu befreien.
1543
war es so weit. Am Hjortensee im März
desselben Jahres wurde die letzte Schlacht
geschlagen. Nils Dackes Glücksstern
verlosch. Der früher so erfolgreiche
Feldherr wurde schwer verletzt und sein
Bauernheer bis auf den letzten Mann niedergemacht.
Dacke
konnte sich noch einmal den Schergen des
Königs entziehen, wurde aber einige
Monate später in den Wäldern
Blekinges gestellt. Sein Körper wurde
im Triumpfzug nach Kalmar geschleppt,
wo er zur Abschreckung vor den Toren der
königstreuen Stadt aufgespiesst wurde.
Heute
erinnern vereinzelt Denkmäler an
den letzten Kampf schwedischer Steuerzahler
gegen die Oberhoheit. Dieser fand vor
nunmehr 400 Jahren statt.