Rundfahrt/Südostschweden

AUF
SCHNELLEN RÄDERN DURCH SÜDSCHWEDEN
Wer
einmal im Norden Urlaub gemacht hat, wer sich einmal verführen
hat lassen von der Mitternachtssonne, den weiten Wäldern und
den unergründlichen Seen, den lässt die Mystik des Nordens
nicht mehr los. Er kommt wieder. Zumindest im Geiste. Bei dieser
imaginären Reise wollen wir Ihnen helfen. Wir wollen das Bindeglied
zwischen Ihren Wünschen, Hoffnungen und der Realität sein.
Lehnen Sie sich zurück und lassen Sie sich von uns in den Norden
entführen. Heute
wollen wir uns von Malmö nach Helsingborg aufmachen, in Margaretetorp
gut essen und gestärkt weiterfahren Richtung Jönköping,
wo wir wir eine kulturbetonte Pause einlegen. Am Vätternsee
geht es entlang bis Motala und dort zweigen wir ab nach Övralid,
dem Landsitz des schwedischen Nationalromantikers und bedeutenden
Dichters Verner von Heidenstam. Dann scheiden sich die GeisterDer
Kulturbeflissene fährt über Norrköping, Kalmar und
Karlskrona zurück, während alle, die gern Wald, Seen und
noch mehr Natur haben, über Värmland und weiter nach Dalsland
an tausend Seen entlanggleiten um schliesslich in Göteborg
aus ihrer Trance aufzuwachen und im Getümmel der zweitgrössten
Stadt Schwedens wieder langsam zu sich selber finden. Auf geht's!.
von
Eduard Nöstl
Streckenführung
(die Kilometerangaben beziehen sich auf den jeweils nächstgelegenen
Ort. Also von Malmö nach Lund sind es 20 Kilometer, von Lund
nach Landskrona 27 km):
1.
Tag: Malmö - Lund (20 km) - Landskrona (27 km) - Helsingborg
(25 km) - Margaretetorp (12 km) - Lagan (Bolmensee, Dörarp
"Gyllene Rasten") (124 km) - Jönköping (117
km) - Gränna (31 km) - Örserum (Örensee) (16 km).
Übernachtung
2.
Tag: Örserum - Gripenberg - Tranås (30km) - Mjölby
- Motala (55km) - Övralid (15km) - Medevi (15 km) alternativ:
Örserum - Gränna - Ödeshög - Vadstena (76 km)
- Motala (13 km) - Övralid - Medevi (30km). Übernachtung.
3. Tag: Medevi - Motala - Borensberg - Norrköping (86km) -
Oskarshamn - Mönsterås - Kalmar (233 km). Übernachtung
4. Tag: Kalmar - Öland (13 km) - Kalmar - Karlskrona (176 km)
- Karlshamn (Wildpark Eriksberg, Bolmstergården, Mörrum)
(52 km) Übernachtung.
5. Tag: Karlshamn - Kristianstad (50 km) - Åhus - Kivik -
Simrishamn (79 km) - Sandhammaren - Ystad (70km) - Trelleborg -
Falsterbo-Skanör (70 km) (Übernachtung)
6. Tag: Skanör - Malmö (30km)
In Malmö unbedingt das Schloss ansehen, dann geht die Fahrt
weiter nach Lund, wo Dom und Freilichtmuseum Kulturen Fixpunkte
sind. Auf die E 4 Richtung Stockholm. In Landskrona die Zitadelle
besichtigen und dann, wenn genügend Zeit vorhanden, auf der
Küstenstrasse Richtung Helsingborg.
In
Ålabodarna die Füsse vertreten (Fischerdorf am Öresund).
In Helsingborg entweder einen Stadtbummel machen (Turm Kärnan
mit berühmter TreppeOscar II.) oder nach Sofiero fahren, sehr
schöne ehemalige Residenz des Grossvaters des schwedischen
Königs (Gustaf VI Adolf) mit grossem Rhododendrenpark und Rosengarten.
Falls
sich jetzt Hunger einstellt, das Auto über Ängelhom nach
Margaretetorp lenken und im dortigen Landgasthof gleichen Namens
das typische und sehr gute Smörgåsbord (Buffet)
verkosten. Weiter geht es über Munkja Ljungby nach Örkelljunga
und auf die E4 (aufpassen, dass Sie nicht auf die E6 nach Göteborg
kommen!).
Wenn
dies aus Zeitgründen nicht möglich sein sollte, direkt
von Helsingborg auf der E4 Richtung Jönköping fahren.
Örkelljunga - Markaryd - Ljungby - Lagan (Automuseum bei der
Statoil-Tankstelle, netter Rastplatz mit guter Küche, Ausflug
zum See Bolmen mit Insel Bolmsön, lustige kleine kostenlose
Autofähre).
Die
Sinne schärfen, da in ca. zehn km Abzweigung von E4 nach Toftaholm
und Dörarp kommt. Nicht verfehlen und zum See Vidöstern
auf stiller Landstrasse vielleicht fünf Kilometer, denn dort
erwartet Sie das Café Gyllene Rasten mit wirklich exzellenten
Mehlspeisen und einem schönen Gastgarten mit Blick auf den
See Vidöstern. Wieder auf der E4 geht es ein Stück den
Vidösternsee entlang nach Jönköping am Vätternsee.
IM LAND DER FEEN UND TROLLE
Fixpunkte:
Zündholzmuseum, interessant wegen der unmenschlichen Arbeitsbedingungen
der Arbeiterinnen aber auch wegen des Schicksals des "Zündholzbarons"
Ivar Kreuger, einem der reichsten Männer Europas am Anfang
des zwanzigsten Jahrhunderts. Sehenswert weiters der Stadtpark,
wegen der Blumenpracht, und das Länsmuseum (Landesmuseum) wegen
John Bauers Märchenbildern und Buchillustrationen. (Die beiden
Museen liegen nebeneinander.)
Kaum
ein anderer Künstler hat die ortstypisch småländische
Natur so stark auf sich einwirken lassen wie John Bauer der diese
mystisch-zauberhaften Stimmungen, die die Jahreszeiten in der Natur
mit sich bringen, mit ihren tiefen Wäldern, verwunschenen Farnhainen
und romantisch bemoosten Steinfindlingen mit allerlei Elfen, Trollen
und Einhörnern belebt hat.
Tragisches Schicksals des Künstlers und seiner Familie: sie
kentern und ertrinken auf der Überfahrt von der Insel Visingsö
aufs Festland Weihnachten 1918.
Huskvarna
ist allen Rasenmähern ein Begriff, auch Motorräder wurden
hier schon gefertigt. Wachsfigurenmuseum.
Ca. zehn Kilometer von Jönköping Richtung Nässjö
liegt das Museum des Calle Örnemark, der aus Holz z.B. "Die
Meuterei auf der Bounty" nachgebaut hat.
Daneben das Gut Riddersberg mit einer Kunstausstellung.
Zurück auf die E4 und bis Gränna am See entlanggleiten.
Gränna
ist ein netter kleiner Ort mit vielen Läden für "Polkagrisar",
das sind Zuckerstangen mit einer speziellen Form und Farbe. Diese
Polkagrisar wurden hier in Gränna "erfunden". Ausflug
auf die Insel Visingsö empfehlenswert, dort eine Rundfahrt
mit Pferd und Wagen machen. Visingsö war die Heimat des Grafen
Brahe, der auch das Schloss gegenüber der OK Tankstelle ca.
zwei km ausserhalb
von Gränna auf der E4 erbauen liess.
AM
ÖRENSEE
Müde? Eine Nacht im Hotel Smålandsgården am Örensee
erquickt. Wird unter der Regie der Heilsarmee betrieben. Kein Alkoholausschank,
aber ansonsten jede Menge Ruhe und Erholung. Angenehme Atmosphäre,
direkt am Seestrand des Örensees gelegen. Preiswert. Ungefähr
10 km Richtung Tranås von Gränna aus.
Wenn
Sie Zeit haben und schauend das Land erleben möchten, bleiben
Sie auf dieser Strasse und fahren weiter bis Tranås am Schloss
Gripenberg (Schwedens grösstes Holzschloss) vorbei.
Tranås ist ein Luftkurort und am See Sommen gelegen. Schöne
Kirche in Säby. Erwähnenswert auch "Hultet",
ein Freilichtmuseum. Über Boxholm mit seinem Stahlwerk, weiter
nach Mjölby und von dort nach Vadstena.
Alternative:
Vom Smålandsgården zurück auf die E4 und am Vättern
entlang (24 km) bis Ödeshög. Dort Küstenstrasse nehmen
(31 km) nach Vadstena.
VADSTENA
Klosterruinen von Alvastra betrachten, besonders die geschwungenen,
schön verwachsenen Torbögen. In Vadstena längere
Pause einplanen, da es viel zu sehen gibt.
Vadstena
ist einer der interessantesten Orte Schwedens, allein schon auf
Grund seiner Geschichte. Mit Beginn 1260 residiert die Bjälbofamilie,
eines der ersten Herrschergeschlechter Schwedens, 100 Jahre hier.
1346 wird das Gut Vadstena von König Magnus Eriksson der Birgitta
Birgersdotter vermacht, die ein katholisches Kloster gründet.
Birgitta wird später heilig gesprochen und bleibt die einzige
Heilige Schwedens. (Sarg und Gebeine im Reliquienschrein zu besichtigen).
Gustav Vasa baut als profanen Kontrapunkt zum Kloster das Schloss
Vadstena (direkt am See mit imposanten Türmen) und lässt
in der Folge das Kloster schliessen. (Trotzdem ist heute das Kloster
des Birgittaordens aktiv und man wird immer wieder Schwestern durch
die Strassen des Ortes huschen sehen.)
Interessant
sind die vielen Holzstatuen in der Klosterkirche. Die abgeschlagenen
Gliedmassen der Statuen haben nichts mit Märtyrertum zu tun,
sondern sind dem Volkszorn unter Gustav Vasas Regierung zu verdanken,
als sich die Wut des Pöbels gegenüber der katholischen
Kirche in Ermangelung von etwas besserem an den Statuen entlud.
Täglich wird die Vesper im Kloster zelebriert. Zeitpunkt: halb
fünf Uhr abends. Eine erbauliche Stunde erwartet Sie. (Wenn
man katholische Litaneien und Gesänge mag).
Von Vadstena sind es 14 Kilometer nach Motala.
MOTALA
Motala liegt ebenfalls am Vätternsee und ist als "Radiostadt"
mit dem ersten schwedischen Sender zu Berühmtheit gelangt.
Vorher noch durch Baltzar von Platen,
den Erbauer des Götakanals der Motala seinen Stempel aufgedrückt
hat. Auf dem Marktplatz ist eine Statue Baltzar von Platens zu sehen.
Motala wird 1288 zum ersten Mal erwähnt. Das Museum befindet
sich in Schloss Charlottenburg, nach der Fürstin Hohenlohe
so benannt, die hier als Gattin des Generals Ludwig Lewenhaupt lange
Zeit gewohnt hat.Empfehlenswert zum anschauen: die Holzschnitzereien
der Sophia Isberg.
Von Motala ein Stück, ca. zehn Kilometer, auf der 50-er Strasse
fahren, dann Richtung Övralid abzweigen.
DIE RESIDENZ DES VERNER VON HEIDENSTAM
Övralid ist Residenz des schwedischen Nationalromantikers und
Dichterfürsten Verner von Heidenstam gewesen ("Blott Sverige
svenska krusbär har", was übersetzt ungefähr
soviel wie "Stachelbeeren/ an Saft und Kraft so reich/ nur
Schweden kann gebären" oder irgendetwas in der Art bedeutet).
Dennoch ist Verner von Heidenstam ein durchaus ernstzunehmender
Dichter, der die Zeit der Karoliner, das schwedische Heldenzeitalter
(Schweden führte damals hundert Jahre ununterbrochen Krieg
und verlor dadurch alle seine Besitzungen rund um die Ostsee ).
Als Beispiel dafür, wie wichtig und vorteilhaft dauerhafter
Friede für das Wohlergehen eines Volkes ist, kann die neueste
Aufstellung der Zeitschrift Forbes über die Milliardäre
in aller Welt dienen, wonach es zwar in USA und Deutschland die
meisten davon, im kleinen Schweden aber immerhin acht Vertreter
dieser illustren Spezies gibt.
Övralid
am besten in der Hochsaison, also Juli/August besuchen und unbedingt
bis zum Sonnenuntergang bleiben. Zu diesem Zeitpunkt an das Grabmal
des Dichters anpirschen, Platz nehmen, und die beiden Laubbäume,
die rechts und links des Grabmals gepflanzt sind, betrachten, wenn
sie von der Sonne in rubinrot getaucht werden und die Sonnenstrahlen
den See zu einem roten Spiegel erstrahlen sehen.
Als
Empfehlung zum Übernachten: Medevi Brunn, damit Sie die Zeit
des Verner von Heidenstam (1859-1940) noch auf sich einwirken lassen
können.
Medevi war früher ein Kurort und die Häuschen sind nett
eingerichtet und überhaupt nicht protzig, daher recht angenehm
und durchaus erschwinglich. Interessantes Detail: Der heutige Besitzer
ist ein Arzt, ein äusserst liebenswürdiger älterer
Herr, dessen Vater noch Verner von Heidenstam gekannt hat. Von Medevi
gibt es schöne Radwege zum Vätternsee.
Von
Övralid gibt es mehrere Möglichkeiten für die Rückfahrt
in den Süden.
1. (für den Kulturbeflissenen) Über Norrköping -
Kalmar - Karlskrona - Karlshamn - Sölvesborg - Kristianstad
- Malmö (Ostküste), Länge:ca.624 km;
2.
(für Naturliebhaber) auf der anderen Seite des Vätternsees
nach Jönköping - und weiter auf der Bundestrasse 47 nach
Falköping - Borås - Göteborg (Länge ca. 361
km) - Kiel (Stena Line) oder Borås - Limmared - (Hestra: schöne
Blockhäuser am See, kleiner Berg) - Gislaved - Hyltebruk (High
Chaparall: Wildwest Stadt mit tollen Stunts und Westernshows, kinderfreundlich!)
- Halmstad (Fähre nach Grenå in Dänemark mit Lion
Ferry) (Länge Borås - Halmstad 157 km) - Ängelholm
- Helsingborg - Malmö (Länge: ca. 650 km)
3.
(für Kilometerfresser) von Motala - Laxå - zum Vänernsee
über Karlskoga nach Kristinehamn - Karlstad - und durchs schöne
Dalsland mit seinen vielfältigen landschaftlichen Reizen, die
allesamt von der Tret-Draisine aus erlebt werden können (daher
Vorsicht beim Queren der Eisenbahngleise (!) zurück über
Säffle - Åmål - Mellerud - Vänersborg - Göteborg
- Malmö. (Westlicher Landesteil) (Länge 688 km)
AUF
DEN FLÜGELN DER EULE DURCH SÜDOSTSCHWEDEN
Von
Medevi geht es ausgeruht nach Motala um dort gleich auf die Strasse
36 Richtung Borensberg zu fahren. Die Streckenführung geht
am Borenssee entlang. Am Roxensee auf die E4 und direkt nach Norrköping
durchstarten (43 km).
Norrköping hat einen Kakteenpark mit 25.000 Pflanzen, Felszeichnungen
und ein Museum der Arbeit. (Wenn Kinder mit von der Partie sind,
macht ihnen ein Besuch des Safariparks Kolmården sicher Spass.
Achtung: Mindestens halben Tag einplanen)
Von
Norrköping immer die Küste entlang bis Oskarshamn (153
km). Oskarshamn hat ein Kernkraftwerk und die längste Holzbank
Schwedens.
Nicht
deswegen zahlt sich ein Besuch Oskarshamns aus, sondern um das Museum
des "Dödarhultarn" des Axel Robert Petersson zu besuchen.
Petersson wurde mit seinen geschnitzten Holzfiguren, die die Vorzüge
und Fehler seiner Mitmenschen sarkastisch übersteigert der
Nachwelt überlieferten, landesweit berühmt.
Dödarhultarn nahm es mit seiner künstlerischen Freiheit
sehr genau. Hatte er einen grösseren Auftrag ausgeführt
und das Geld dafür eingestrichen, so gab er sich konsequent
der schöpferischen Pause hin. Wollte jemand in dieser Zeit
etwas bei ihm bestellen, kriegte er nur ein kurzes "Nee, keine
Lust, kommen sie später wieder", zu hören.
Dödarhultarn machte sich auch nicht viel aus den Vorhaltungen
des Dorfpfarrers, der ihm in Anbetracht seiner fortgeschrittenen
Jahre nahelegte, seinen Frieden mit Gott zu machen. "Religion
braucht man erst, wenn man stirbt, ich aber bin unsterblich"
war die grimmige Antwort. Dödarhultarn blieb unbeugsam. Seinen
Atem hauchte er im Lehnstuhl aus. Seine letzten Worte waren: "Niemand
zwingt mich in die Knie". Kein Wunder, dass die Bürger
Oskarshamns ihrem Original ein Museum gewidmet haben.
Von
Oskarshamn bis Mönsterås sind es gerade fünfundzwanzig
Kilometer. Mönsterås hat ein kleines Apothekenmuseum
und ein paar Schritte weiter im Heimatmuseum eine Arztpraxis von
der Jahrhundertwende mit wahrlich furchterregenden Werkzeugen, die
den Medizinern damals zur Verfügung standen.
In Timmernabben gebrannte Mandeln und in Gabriels Keramik ein originelles
und preiswertes Souvenir aus Porzellan erstehen. Auf zwei Mönsterås
vorgelagerten Inseln gibt es Feriendörfer.Von Timmernabben
sind es 31 Kilometer nach Kalmar.
KALMAR
Kalmar war einmal die Hauptstadt Schwedens,
Dänemarks und Norwegens und zwar zur Zeit der Margaretha, einer
Königin, der es 1397 gelungen war, die drei Länder unter
einer Krone zu vereinen. Am 20. Juli dieses Jahres wurde der Ziehsohn
der Margaretha, Erik von Pommern, zum König gekrönt. Die
Kalmarunion hatte bis 1523 Bestand.
Das
Schloss von Kalmar ist toll ins Meer hinein gebaut und durchaus
eine Besichtigung wert. Zumindest von aussen ist es imposant anzusehen,
innen drinnen ist ausser einem Wohngemach mit schönen Jagdszenen
nicht allzuviel zu entdecken.
Wer wirklich an Geschichte interessiert ist, wird im Landesmuseum
im Hafen fündig werden. Das Regalschiff "Kronan",
das im Sund zwischen Kalmar und Öland gesunken ist, wurde nachgebaut,
und kann komplett mit Mannschaft und Kanonen erlebt werden. Darüber
hinaus gibt es einen Silberschatz zu sehen. Erwähnenswert sind
weiters die gut erhaltenen Stadttore Kalmars.
Die
Geschichte des stolzen Regalschiffs ist schnell erzählt, denn
allzu rühmlich war sie nicht. 1676, in einer Seeschlacht gegen
eine dänisch - holländische Flotte, gab Freiherr Lorentz
Creutz Befehl, das Schiff zu wenden. Das damals grösste Schlachtschiff
der Welt wurde von einer plötzlichen Windbö erfasst und
kippte einfach um. Wasser strömte durch die offenen Kanonenluken
ein und wie ein Stein sank der Stolz der schwedischen Flotte. Dreihundert
Jahre später fanden Taucher das Wrack.
Nicht
durch die Stadttore kommt man nach Öland, sondern über
eine der längsten Brücken Europas. Öland hat einen
Ruf als "Sonneninsel", ein Ruf, dem sogar das schwedische
Königspaar gerne folgt. Weitere Sehenswürdigkeiten: der
Leuchtturm "Långe Jan", die Heidelandschaft "Alvaret"
mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna, sowie das Schloss Solliden.
Noch interessanter als das Königsschloss vielleicht, da zu
besichtigen, ist die Burgruine Borgholm, die Reste eines Renaissanceschlosses,
das 1806 durch ein Feuer fast völlig zerstört wurde. Für
Kinder empfiehlt sich ein Besuch im Tierpark von Öland.
Nach
diesem Tag fallen Sie hundertprozentig ausgelaugt ins Bett. Wo?
Im Schlosshotel Kalmar. Diskrete Eleganz in unmittelbarer Schlossnähe
zu bürgerlichen Preisen. (Tel. 0480 882 60). Von Kalmar geht
es die Ostsee entlang nach Karlskrona (156 km).
KARLSKRONA
Wurde Rom auf sieben Hügeln erbaut, so liegt Karlskrona
auf zwölf Inseln, die alle mit Brücken verbunden sind.
Sehenswert ist das Marinemuseum, brandneu, es wurde vor zwei Jahren
eingeweiht, auf der Insel Stumholmen.
Unter dem Museum liegt das zweihundert Jahr alte Segelschiff "Göta
Lejon", das die Besucher durch einen verglasten Unterwassergang
betrachten können. Schwülstig schön auch die vielen
Galionsfiguren mit ihren schwellenden barocken Formen.
Weiters
sehenswert die Amiralitätskirche mit der Holzfigur "Rosenbom",
die bereits in Selma Lagerlöfs "Nils Holgersson"
eine wichtige Rolle spielt. Der Überlieferung nach war Rosenbom
ein fleissiger Bursche, der durch die trockene Luft seiner Werkstatt
bedingt, er war Tischler, einen kräftigen Durst entwickelte.
Um diesen zu stillen, machte er regelmässig auf dem Heimweg
Zwischenstation in diversen Wirtshäusern. Die Familie landete
schliesslich am Bettelstab und Rosenboms lebten von dem, was Passanten
an Almosen in die ausgestreckte Hand des Familienoberhaupts legten.
An einem Weihnachtsabend waren die Bürger Karlskronas besonders
freigebig gewesen.
Rosenbom hatte daher tüchtig über den Durst getrunken,
und beim Anblick eines hochwohlgeborenen Bürgers riss er wohl
etwas übertrieben untertänigst den Hut vom Kopf. Der Bürger
sah sich in seinem guten Werke betrogen, fühlte sich wohl auch
gefoppt und hob den Arm, um den unverschämten Gesellen Mores
zu lehren.
Rosenbom sah die Zeit gekommen, die Beine in die Hand zu nehmen
und lief, was er konnte. Völlig ausser Atem sank er vor der
Amiralitätskirche zu Boden. Da es eine kalte Nacht war, hätte
Rosenbom besser daran getan, sich woanders zu erholen. Da wäre
er nicht erfroren, wäre aber wohl auch nicht zur, wenn auch
traurigen, Berühmtheit gelangt. Bis auf den heutigen Tag steht
Rosenbom mit ausgestreckter Hand vor der Kirche und wenn ein Almosen
in seine Hand gedrückt wird, zieht er untertänigst den
Hut.
Beim
Marinemuseum liegt übrigens das Segelschiff Jaramas verankert.
Jaramas, türkisch, bedeutet "Blitz und Donner". Im
Hafen weiters zwei Inseln: "Guten Morgen" und "Guten
Abend".
Auch dafür gibt es eine Erklärung: In jenen Zeiten, als
Karlskrona noch von Segelschiffen angelaufen wurde, galt es, im
Morgengrauen als erster durch die Hafenenge zu kommen, um die Gezeiten
nützen zu können. An einem schönen Sommertag wollten
zwei Handelsschiffe gleichzeitig auslaufen. Wer würde schneller
sein? Die Vorentscheidung fiel bei der ersten der beiden Inseln.
Eines der Schiffe lief auf Grund. Schadenfreude ist die reinste
Freude und die Matrosen des andern Segelschiffs signalisierten beim
Vorübersegeln nicht faul: "Guten Morgen". Als nach
harter Arbeit das Schiff am Abend flott war und endlich den Kurs
wieder aufnehmen konnte, sahen die Seeleute bei der zweiten Insel
jenes Schiff daliegen wie einen Fisch am Trockenen. Nicht faul signalisierten
sie, während sie mit geschwellter Brust vorbei segelten, hinüber:
"Guten Abend".
Soweit
Karlskrona. Weiter geht es auf der E22 nach Karlshamn. Zwischen
Karlshamn und Åryd aufpassen und nach Guö bzw. Eriksberg
abzweigen. Im "Guö Herrgård" lässt es
sich im Zimmer mit Meerblick ganz ausgezeichnet übernachten
(Tel. 0454 603 00)
ERIKSBERG
UND BLOMSTERGÅRDEN
Nur
ein paar Kilometer entfernt liegt der Wildpark Eriksberg. 4000 Morgen
Naturpark (10 ha) sind umfriedet, ab jetzt geht es im Schrittempo
weiter. Elch und Damhirsch, Mufflon und Sikawild, Wildschweine und
Bisons werden in ihrem ureigenen Ambiente beobachtet. Es empfiehlt
sich, ziemlich zeitig in der Früh oder spät am Nachmittag
zu kommen um Wildschweine und Elche zu sehen.
Die Rundfahrt dauert ungefähr zwei Stunden und endet am Gutshof
mit Jagdmuseum, Gourmetrestaurant mit, wie könnte es anders
sein, Wildspezialitäten. Für Kinder gibt es einen Naturlehrpfad
und einen Streichelzoo. Im November wird hier ein sehr schöner
und stimmungsvoller Weihnachtsmarkt veranstaltet, der vorweihnachtlichen
Glanz in die grauen Novemberwochen bringt.
Ein
anderes Ausflugsziel ist der Blumengarten "Blomstergården".
Bei Bräkne Hoby abzweigen Richtung Backaryd und über Göljahult
nach Eringsboda fahren. (ca. 30 km). Dort erwartet Sie ein Blumenmeer,
das nur durch den Willen eines einzigen Menschen dem an sich sauren
Boden abgerungen wurde: Verner Svensson war es, der ob der unfruchtbaren
Wiesen schier verzweifeln wollte und sich aus Therapiegründen
mit baren Händen sein eigenes kleines Reich schuf. Ein Märchenland
in Miniatur entstand. Die kleine Welt der Bauern wird in Holzfiguren
nachgestellt und überall blühen Blumen in den herrlichsten
Farben.
Bereits
König Valdemar II. hielt in seinem Grundbuch aus dem Jahr 1231
fest: "uns hat der Lachs der Mörrum wahrlich wohl geschmacket".
Heute wie vor 700 Jahren lockt der Lachs viele Sportfischer an.
Kaum ein Petri Jünger wird bei Mörrum (9 km von Karlshamn
entfernt) vorbeifahren, ohne das Lachsmuseum besucht zu haben.
Die Mörrum ist allen Lachsanglern ein Begriff und der Rekordlachs
wurde von einem deutschen Sportfischer gelandet. Im "Haus des
Lachses" oder "Laxens Hus" wird in zwei Stockwerken
alles über den Lachs und sein Leben erklärt. Besonders
spannend ist die in die Mörrum hineingebaute verglaste Wand,
wo die Lachse im Fluss beobachtet werden können. Riesige Aquarien
runden die Informationen ab.
KRISTIANSTAD
Kristianstad
liegt 40 Kilometer weiter. Das Wasserreich von Kristianstad lockt
Besucher aus nah und fern, in Kristianstad befindet sich übrigens
auch der tiefste Punkt Schwedens, ganze 2,4 Meter unter der Meeresoberfläche.
Der sogenannte Linnépfad ist ein netter Spaziergang bzw.
Fahrradausflug in der näheren Umgebung der Stadt. Von Kristianstad
sind es 23 Kilometer nach Åhus. Von Åhus fahren Sie
durch einen der schöneren Flecken Schonens, nämlich Österlen.
An Kivik (35 km) vorbei geht es die Ostsee entlang. In Stenshuvud
("Haupt aus Stein") liegt der südlichste Nationalpark
mit schönem Blick über die weiten Sandstrände und
einer interessanten Flora unter anderem mit Küchenschellen.
Von Simrishamn (29 km) an wird die Strasse recht schmal, führt
dafür aber ganz nah am Meer entlang.
In Sandhammeren lockt ein wunderschöner Badestrand. Kåseberga
ist für seine Heringräucherei und die Schiffsetzung mit
den "Ales stenar" berühmt. Von Ystad laufen die Schiffe
nach Bornholm aus und Trelleborg lebt vom Fährverkehr nach
Rostock und Sassnitz und Travemünde.
Skanör und Falsterbo sind Zwillingorte mit den wohl schönsten
Sandstränden Schwedens und einer angenehmen Wassertemperatur.
In Skanör lässt es sich sehr angenehm im Skanör Gästis
wohnen und speisen. Nach Malmö sind es gerade 30 Kilometer
auf der Autobahn.
Wenn Sie diese Route abgefahren sind, ist Ihnen der östliche
Teil Südschwedens ein Begriff und Sie haben hoffentlich Appetit
auf den Rest des riesigen Landes gekriegt.
Last
Updated: Freitag, 14. Oktober 2011
Copyright 1999-2011 Dr. Eduard Nöstl
ISDN
1101-9840
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