Värmland
Ohne
Stress im Friedensreich Morokulien

Morokulien
liegt im Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen.
Auf schwedischer Seite im schönen Värmland, bekannt
in Deutschland nicht zuletzt durch die Gösta Berlings
Saga der Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Selma
Lagerlöf. Auf der anderen Seite der Grenze ist Kongsvinger
der nächstgelegene grössere Ort.
Von
Eduard Nöstl
Für
Urlauber aus Deutschland empfiehlt es sich, die Fähre
nach Göteborg zu nehmen, denn von Göteborg ist es abstandmässig
am nächsten. Geradeswegs geht es in ein ca. vier Stunden
nach Morokulien. Autofahrer aufgepasst: Wie so oft ist
nicht der kürzeste Weg gleichzeitig der schnellste,
daher empfiehlt sich zuerst die E6 nach Uddevalla, in
Uddevalla auf die Reichsstrasse 172 Richtung Bengtsfors
abzweigen und auf dieser Strasse bleiben bis Årjäng.
Hier auf die Reichsstrasse 177 übergehen, die direkt
neben der Statoil Tankstelle abzweigt. Jetzt geht es
auf der schmalen, aber gut ausgebauten Strasse über
Koppom nach Åmotfors. Hier aufpassen, nicht das Stoppschild
übersehen, das beim Einbiegen auf die hier eine Rechtskurve
vollziehende Reichsstrasse 61 steht. Auf der 61-er sind
Sie bereits mitten in der Urlaubsregion Edaskog.
An
der Grenze zwischen Norwegen und Schweden am alten Königsweg
von St. Petersburg nach Oslo, geschichtsträchtigem Boden
also, manifestiert sich, dass wir Menschen doch aus
der Geschichte lernen können. Nicht weit vom Friedensmonument,
genau auf der Grenzlinie zwischen den beiden nordischen
Staaten errichtet und heute bequem von der Grenzstation
Morokulien zu Fuss zu errreichen, befindet sich die
Schanze von Ed, wo sich vor dreihundert Jahren Norweger
und Schweden Soldaten erbitterte Gefechte lieferten.
Der
einsame übergrosse Wachposten aus Holz, der vor dem
Campingplatz Charlottenberg einsame Wache schiebt, erinnert
an die Bereitschaft Schwedens, seine Integrität auch
in Kriegszeiten zu bewahren. Heute wird die kriegerische
Vergangenheit nur mehr an den langen Winterabenden vor
dem offenen Kamin heraufbeschworen, sonst wird alles
getan, um Frieden und Freundschaft zwischen den Völkern
zu fördern.
Das
findet einen sympathischen Ausdruck im sogenannten "Friedensreich"
Morokulien, in dem der geneigte Sommergast, gegen Entrichtung
eines Obolus natürlich, Mitglied werden kann. Dafür
erhält er einen eigenen Pass und ist somit auf Lebenszeit
Staatsbürger im Friedensreich. Kein schlechter Anfang
für einen gelungenen Urlaub!
Warum
heisst die Gegend hier eigentlich Edaskog? Das ist eine
Frage, die wohl nur von wenigen beantwortet werden kann.
"Ed" bedeutet an sich "Eid" auf Schwedisch und könnte
somit ein Gebiet von einigen Verschworenen bedeuten.
In den Touristenbroschüren findet man die Erklärung,
dass sich Edskog aus "Gebiet zwischen den Gewässern"
ableitet, was auch insofern plausibel ist, da hier mit
dem Vrångfluss, dem Hugn- und dem Rinkensee sowie dem
Bysee und unzähligen kleineren und grösseren Wasserläufen
ein weitgestrecktes Seengebiet besteht, das also dem
Namen "Zwischen den Gewässern" durchaus Glaubwürdigkeit
verleiht.
Wir
wollen diese etymologischen Deutungen den Experten überlassen
und uns lieber an den unzähligen Aktivitäten und Ausflugszielen
erfreuen, die es hier zu bestaunen und zu erleben gibt.
Für den Urlauber, der halbwegs gut zu Fuss ist, gilt
es als erstes seine Kräfte am Finnskogleden - Weitwanderweg
zu messen, der direkt hinter der Touristeninfo in Morokulien
seinen Anfang nimmt.
Das
wunderwirkende Wasser von Eda Brunn wurde 1791 von dem
Wanderpastor Sven Noren entdeckt, als er sich an einer
Quelle labte und sich plötzlich merkwürdig erquickt
fühlte.
Der
Priester schwebte als Gottesmann in höheren geistigen
Sphären, er empfahl zwar seinen Schäflein, sich des
heilbringenden Wassers zu bedienen, doch klingende Münze
sollte erst Doktor Grill, ein Arzt aus Skönnerud, hundert
Jahre später aus dem heilbringenden Wasser schlagen.
Eda Brunn wurde zum mondänen Kurort, mit einer kurzen
Blütezeit, die bereits durch den Ausbruch des ersten
Weltkriegs ernsthaft gefährdet wurde. Seither wurden
die meisten Gebäude abgerissen und erst in den letzten
Jahren ist Eda Brunn wieder auf dem Weg zu seiner früheren
Grösse.
Es
bleibt nur noch die Frage bestehen, ob es auf das wunderwirkende
Wasser des Eda Brunn zurückzuführen ist, dass hier in
Edaskog der einzige weisse Elchstamm der Welt beheimatet
ist.
Von
Eda Brunn führt die Strasse am Vrångfluss entlang zum
Valafjäll, wo auch Valfjällsbyn, eine Feriensiedlung
liegt, die sich für die Grossfamilie als preiswerte
Alternative für einen erfüllten Urlaub anbietet. Die
Hütten für vier bis acht Personen sind Selbstversorgerhütten,
wodurch das Urlaubsbudget in angenehmem Rahmen gehalten
werden kann.
Sie
sind modem eingerichtet und werden mit mehreren Schlafzimmern,
mit WC und Dusche auch den Anforderungen des anspruchsvollsten
Urlaubers mehr als gerecht. Nicht verschwiegen sei auch
der nahezu unverschämt niedrige Preis, es wird ein Preis
von 1000 - 2000 Kronen pro Woche je nach Saison kolportiert.
Chef
der Feriensiedlung ist Ola Bolsta, ein sympathischer
Hans Dampf in allen Gassen, an den man sich vertrauensvoll
wenden sollte, wenn Not am Manne ist oder sonst eine
Auskunft gebraucht wird. (Tel.nr. Buchung +46 54 10
24 25 oder direkt vor Ort: +46 571 32108).
Als
Morgensport empfiehlt sich ein Dauerlauf hinauf auf
den Gipfel des Valberges, der für die Bequemen unter
uns auch mit dem Auto zu erreichen ist und einen herrlichen
Rundblick bietet: Wald, Wald, Wald und zwischendrin
immer wieder kleine Seen. Genau das Ambiente, das sich
ein Schwedenurlauber wünscht.
Bei
einer kleinen Rundfahrt umrundet man den See Hugn, kommt
man an der Golfanlage vorbei und sieht schliesslich
linker Hand, jetzt bereits wieder auf der Königsstrasse,
ein Schild mit der Aufschrift Eda Skans.
Die Schanze von Eda erinnert an jene gar nicht so friedliche
Zeit, als Norwegen vom Dänenkönig regiert wurde und
hier die Fronten zwischen der werdenden Grossmacht Schweden
und Dänemark - Norwegen verliefen. Die Schanze von Eda
zwischen Bysee und See Hugn gelegen hatte für damalige
Begriffe eine ausgezeichnete strategische Lage. Hier
entstand die grösste und wichtigste Schanze des ganzen
Värmlands.
Für
weniger kriegerische Seelen unter den Besuchern empfiehlt
sich die Weiterfahrt nach Morokulien mit Besuch im Informationsbüro
(Tel.nr. 057123370), in dem nicht nur eine Vielfalt
nützlicher und spannender Souvenirs angeboten werden,
sondern auch die Ferienhausreservierung am einfachsten
vorgenommen werden kann, weiters gibt es Mehrwertsteuerrückvergütung,
Tips für Rundfahrten per Auto, Fahrrad oder Kanu.
Nach
Besichtigung des Friedensdenkmals und nach Passieren
der kaum bemerkbaren Grenze lockt die Glashütte von
Magnor (Tel. Norwegen, +42 66 - 37133), die bereits
in Norwegen liegt, ungefähr zehn Autominuten vom Fremdenverkehrsbüro
entfernt. Die Glashütte von Magnor hat nicht nur wesentlich
niedrigere Preise als die Glashütten im schwedischen
Glasreich, hier entstehen vortreffliche Glasarbeiten
mit typisch nordischen Motiven wie Elch, Rebhuhn, Rentier,
etc. Unbedingt ansehen!
Neben
dieser kleinen Rundreise, dem Wandem, dem Paddeln im
ausgedehnten Seensystem, gibt es noch jede Menge zu
unternehmen im Friedensreich Morokulien. Es zahlt sich
aus, hierherzufahren und so mancher, der eine Rundreise
durch die skandinavischen Länder geplant hatte, ist
hier hängengeblieben. Der ausgeglichene Charme der Menschen,
die sich hier in bald zweihundert Jahren bewusst steten
Friedens und nachbarlicher Freundschaft erfreuen konnten,
mag dazu das Seine beigetragen haben.